ERBSTÜCK
Projektentwurf zu transgenerationalen Traumata
Modell und vervielfältigter Photoausschnitt einer Tapete
Der Küchentisch meiner Großmutter, einst Zentrum familiären Zusammenlebens, fungiert als Träger von Erinnerungen, Geschichten
und unausgesprochenen Verletzungen. Die Kratzer, Dellen, Absplitterungen seiner Oberfläche sind stille Zeugen von Konflikten,
Schweigen und generationsübergreifender Belastung. In einem rituellen Akt wird der Tisch mit Unterstützung der AusstellungsbesucherInnen
bearbeitet: durch Schleifpapier, Feilen, Hände. Der körperliche Akt des Schleifens wird zur Metapher für die mühsame,
aber notwendige Arbeit am Erbe der Vorfahren. Jede Bewegung steht für einen Versuch, die Vergangenheit zu verstehen, zu verwandeln
und eine neue Oberfläche für kommende Generationen zu schaffen. Der Staub, der dabei entsteht, wird gesammelt – als symbolisches Sediment
verdrängter Geschichte.Die Aktion eröffnet einen Raum für Reflexion über das, was wir mittragen – sichtbar und unsichtbar –
und was es bedeutet, dieses Erbe bewusst zu bearbeiten, statt es weiterzugeben.